AUS DES BARTELTS

Wunderkammer

der Sammler

Wer sammelt hier eigentlich?

Ich bin ein Sammler.

Nicht unbedingt von Dingen, obwohl ein Blick in mein Arbeitszimmer daran gewisse Zweifel wecken könnte. Ich sammle vor allem Gedanken, Geschichten, Bilder, Fragen und merkwürdige kleine Fundstücke. Dinge, bei denen ich hängenbleibe, weil ich das Gefühl habe, dass in ihnen mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht.

Meine Neugier hält sich dabei nicht besonders zuverlässig an Fachgrenzen. Mich kann künstliche Intelligenz ebenso beschäftigen wie die Stoa, ein Superhelden-Film ebenso wie die Frage, was einen guten Bildungsroman ausmacht. Ich kann mich in die Geschichte der Phrenologie vertiefen, über Führung und Kommunikation nachdenken und plötzlich wissen wollen, was Kierkegaard über das Wagnis einer Entscheidung zu sagen hätte.

Denn eigentlich interessieren mich weniger die einzelnen Fundstücke als die Verbindungen zwischen ihnen. Was geschieht, wenn man Dinge nebeneinanderlegt, die normalerweise getrennt betrachtet werden? Was kann uns eine jahrhundertealte Idee über ein gegenwärtiges Problem erzählen? Und warum begegnen uns manche menschlichen Fragen in immer neuen Verkleidungen?

Beruflich beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit Kommunikation, Führung, Lernen und Veränderung. Ich berate, unterrichte und halte Vorträge. Dabei mag ich gute Fragen häufig lieber als schnelle Antworten, ein gutes Gegenargument lieber als höfliche Zustimmung und Gespräche, nach denen man die Welt ein kleines bisschen anders betrachtet als vorher.

Eigentlich gab es die Wunderkammer schon vorher

Wer mein Arbeitszimmer betritt, versteht vermutlich ziemlich schnell, was ich mit Sammeln meine. In den Regalen stehen Geschichtsbücher neben Comics, steht Theologie neben Popkultur, Kunst neben Wissenschaft und Reisebücher neben Dingen, die sich ohnehin keiner vernünftigen Kategorie unterordnen wollen.

So ähnlich möchte ich es auch hier halten. Diese Wunderkammer ist kein Fachblog. Sie ist ein Ort für Gedanken und Fundstücke, die ich für wert halte, aufgehoben, betrachtet und miteinander in Verbindung gebracht zu werden.

Was all das miteinander zu tun hat?

Das weiß ich manchmal am Anfang selbst noch nicht.

Aber genau deshalb sammle ich es.